PIXELPARTY Tagebuch von musiksurfer

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Sun, 01.05.2005 16:57 - Melancholie
aus: Über Gott und die Welt ( Über Mich und Euch )
Durch die Einnahme von Morph. bin ich depresiv geworden und befinde mich auch Behandlung. Wahrscheinlich war das Morph nur der Auslöser der letzte Stein der alles in´s rollen bebracht hat. Für jemand der das nicht kennt ist es schwer nachzuvollziehen was in einem vorgeht, ich glaube sogar man kann das nicht verstehen, was Melancholie bedeutet hier ein Versuch

Wie klein eine Wohnung doch ist, wenn man rastlos alle Zimmer durchwandert, und wie groß ein Kopf, wenn die Gedanken in ihm Sturm laufen.

An manchen Tagen, in manchen Momenten überschwemmt mich die Einsamkeit, die Einsamkeit, in die man doch letztlich immer zurückgeworfen wird, egal wie nah man noch vor Stunden einem anderen Menschen gekommen ist, die Einsamkeit in mir selbst, die Einsamkeit in meinem Herzen...

Und zu der Einsamkeit gesellt sich die Verzweiflung, die Trost- und Hoffnungslosigkeit, die Leere und letztlich unvermeidlich vergängliche Endlichkeit des Seins.

An diesen Tagen, in diesen Momenten türmt sich alles vor einem auf wie ein unüberwindlicher Berg, unbezwingbar, monumental und drohend. Und man steht vor diesem Berg alleine, nichts als man selbst und ist diesem Berg nicht im geringsten gewachsen, wird von ihm zermalmt werden, dem zusammenstürzenden Koloß, wenn man wagt, ihn erklimmen zu wollen...

Das Herz schmerzt einem und im Kopf rasen die Gedanken, Gedanken, die wie vulkanische Lava wieder und wieder aus dem einem hervorbrechen, aus dem tiefsten Inneren quillen, in gewaltigen Gedankenblasen an der Oberfläche platzen und einen Geruch von bitterer Fäulnis hinterlassen.

An diesen Tagen, in diesen Momenten macht nichts mehr einen Sinn. Das Leben zeigt sein wahres Gesicht, seine verabscheungswürdige Fratze, seine Absurdität und Lächerlichkeit, seine grenzenlose Öde und verzweifelte Hoffnungslosigkeit, in der gleichzeitig nichts zu erreichen und alles zu spät ist.

Und dann...

Dann ist da plötzlich ein Lied, nur ein Lied irgendwo in der Ferne oder auch nur im Echo des eigenen Kopfes, ein Lied, das einen derart tief packt, berührt, ein Lied, das jede Faser des Körpers, jede Windung des Gehirns, der Seele zum Schwingen bringt...

Dann ist da plötzlich ein Gedicht, das in zwölf Zeilen alles aussagt, was man seit Wochen aus sich selbst zu quetschen versucht in frucht- und zeitlosem Grübeln, ein Gedicht, das nur hundert Worte braucht, um die Welt zu beschreiben, nicht nur die äußere Welt sondern jeden Winkel, den man in seinem tiefsten Innern verborgen hält...

Dann ist da plötzlich eine Geschichte, eine Geschichte, aus derem Protagonisten einen die eigene Visage, das eigene Schicksal wie aus einem göttlichen Spiegel entgegenblinkt und blinzelt, in einer leisen, ironischen, verschwörerischen Verbrüderung einem zublinzelt, das so vertraute und zuvor nie wirklich erkannte ureigene Gesicht...

Dann ist da plötzlich ein Bild, ein Kunstwerk, eine Fotografie, deren Abbild man bis ins Detail wiedererkennt als die Landschaft seines eigenen Inneren, die Landschaft der eigenen Seeele bis in die letzten Furchen des eigenen Wesens...

In diesen Momenten spürt man plötzlich eine längst zerrissen geglaubte Verbundenheit, eine Zugehörigkeit, eine Aufgehobenheit im Wissen der Menschheit, das den eigenen Schmerz, den Kummer, die abgrundtiefe Verzweiflung längst vorweggenommen und in Form gegossen hat.

In diesen Momenten erhält plötzlich alles, selbst das eigene eben noch so verachtete Leben einen Glanz, einen Inhalt, einen Sinn. In diesen Momenten weiß man, was zu tun ist, was einem Aufgabe und Bestimmung ist.

Man wird ihr nicht nachkommen, gewiß. Man wird schon Minuten später zurückkehren in die Banalitäten und Oberflächlichkeiten seiner Alltagsexistenz. Man wird sich wieder und wieder aufreiben beim Kampf um sinnlose Kleinigkeiten. Man wird sich ablenken lassen, mit Freuden berieseln, um sich selbst und seinem Leben, ja vor allem jedem Anspruch an sich selbst und sein Leben zu entfliehen.

Und dennoch ist sie da. Die Kunst. Und sie wird bleiben. Und sie ist es, die uns eigentlich erst zu Menschen macht. Wenn wir es zulassen.





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